such a surge
Such A Surge sind ein Stück deutsche Musikgeschichte. Nach über 500 Konzerten, fünf Alben, zwei Pain In The Ass-Alben und diversen Nebenprojekten, wie Antek´s "Revolver", Olli´s "Originalton" und Dennis´ "Valentinswerder" steht die Band mittlerweile im dreizehnten Jahr ihres Bestehens, und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.
Als Mitbegründer der frühneunziger Crossover-Welle haben es Such A Surge geschafft sich kontinuierlich mit einer gehörigen Portion Dickköpfigkeit weiterzu-entwickeln. Während andere Bands aus damaligen Zeiten schon längst Geschichte sind, demonstrieren Such A Surge bis weit ins neue Jahrtausend hinein, wie eigenständige Rockmusik aus Deutschland klingen muss. Such A Surge haben sich einen Grad der Unabhängigkeit erarbeitet, der sie gelassen Trends kommen und gehen sehen lässt.
Das Jahr 2003 brachte allerdings Veränderungen. Eines der Gründungs-mitglieder, Gitarrist Dennis Graef verließ im April die Band, um sich neuen Herausforderungen zu stellen, doch den übrigen vier war schnell klar, dass es weitergeht. An Dennis´ Stelle trat mit Lutz Buch ein langjähriger Wegbegleiter und Freund der Band.
Lutz war zuvor lange Zeit für Such A Surge als Backliner tätig und war zusammen mit Surge-Schlagzeuger Antek maßgeblich verantwortlich für das Debutalbum von "Revolver". Mit dem neuen Mann an der Gitarre wurden dann im Sommer letzten Jahres eine ganze Reihe Festivalgigs und im Herbst eine Tour erfolgreich absolviert.
Mit Lutz arbeiteten Such A Surge erstmalig am Songwriting des neuen und damit sechsten Albums "Rotlicht", welches im Oktober 2003 erschienen ist.
Gerade in Zeiten, die durch fragwürdige Fernseh-Casting-Shows dominiert werden und der Gedanke des Rock`N`Rolls mit Füßen getreten wird, ist eine nonkonforme Band wie Such A Surge als Gegenpol wichtiger denn je für die deutsche Musiklandschaft.
Die meisten Bands werden nur von ein oder zwei kreativen Köpfen getragen, wogegen die restlichen Musiker bloße Erfüllungsgehilfen sind. Das ist bei SUCH A SURGE grundlegend anders, weshalb man – obwohl es etwas hochtrabend klingen mag – die Braunschweiger eher als Künstler-Kollektiv bezeichnen sollte. Jedes einzelne Mitglied strotzt nämlich nur so vor Ideen, so dass eine Gruppe allein gar nicht genug Platz bietet, um alle Visionen adäquat umsetzen zu können, zumal diese in viele verschiedene Richtungen tendieren. Deshalb tobten sich die Musiker zuletzt in diversen Solo- und Nebenprojekten aus, ohne dabei allerdings die Prioritäten zu verschieben. Drummer Antek frönt mit Revolver seiner Death’n’Roll-Leidenschaft, Gitarrist Dennis legte eine experimentelle LP unter eigenem Namen vor, und Frontmann Olli zollte seinen HipHop-Wurzeln mit Originalton Tribut. Zudem nahm die komplette SUCH A SURGE-Besetzung frei von allen Zwängen unter dem Namen Pain In The Ass ein Hardcore-/Trash-Album auf.
Seit 2003 gilt die Aufmerksamkeit nun wieder voll und ganz dem Hauptbetätigungsfeld SUCH A SURGE, wobei die Erfahrungen der anderweitigen Ausflüge jeweils auf ihre Art in das neue Album „Rotlicht“ einflossen. Nachdem Antek mit dem Revolver’schen Power-Drumming eine Weitere seiner Facetten zeigte, setzt er nunmehr auf perkussive Rhythmen, die für eine latente Spannung sorgen. Dennis dagegen führt seinen solo eingeschlagenen Weg weiter fort und tendiert mit seinen ausgesprochen atmosphärischen Licks und noisy Soli eher in den Indie-Bereich. Durch diese Veränderung, die sich bereits auf den beiden Bonustracks der letztjährigen Best-Of-Kopplung „10 Jahre“ („Keinen Schritt weiter“ & „So wie ich das seh’“) andeuteten, wirkt das neue Material nicht nur im Vergleich zum letzten, betont poppigen Album „Der Surge Effekt“ sehr ambitioniert. Es schickt den Hörer auf eine intensive Entdeckungsreise, die veranschaulicht, wie stark sich die Band im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat. Bot das Debüt „Under Pressure“ noch Hüpfsongs für die Clubs, so handelt es sich bei „Rotlicht“ um ein anspruchsvolles Kopfhörer-Album, bei dem man auch nach dem x-ten Durchlauf noch neue Details entdecken kann. Die nötige Luft zum Atmen bekommt das mittlerweile fünfte Studioalbum durch den effektarmen, trockenen Sound, der unter Einfluss der spontanen P.I.T.A.-Arbeitsweise stand und nicht mehr so hochglanzmäßig wie bisher klingt. Erstmals zeichnete die Band selbst für die Produktion verantwortlich, wobei Jem und bei zwei Songs Wolfgang Stach hilfreich zur Seite standen.
Nachdem Michel und Olli bislang wahlweise in Deutsch, Englisch oder Französisch sangen, verfassten sie die wesentlich persönlicheren Texte von „Rotlicht“ ausschließlich in Deutsch. Doch nicht nur deshalb wirkt das Album homogener als die vorherigen Scheiben. Während die vielen unterschiedlichen Einflüsse bislang nämlich auch in einem ausgesprochen großen Stil-Spektrum Ausdruck fanden, hat sich die Band jetzt instinktiv auf einen gemeinsamen Kurs geeinigt, der von einer düster-melancholischen Grundstimmung durchzogen, aber dennoch kraftvoll-dynamisch ist. Mit „Rotlicht“ haben sich SUCH A SURGE ihre ganz eigene Nische geschaffen und sind mit ihrer nonkonformen, im besten Sinne dickköpfigen Haltung für die deutsche Musiklandschaft wertvoller denn je.
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